1. Bremen Türkiye Sinema Günleri
Türkei-Filmtage Bremen
24 Mayýs 1995
Düzenleyen
Türkiye Sinema Günleri Çalýþma Grubu
Kino 46, Waller- Heerstr. 46, 28217 Bremen
Ahmet allein zu Haus
Türkische Filmtage im Kino 46: zwischen Hollywood-Persiflage und politischer
Aufklärungsarbeit
Mit einzelnen guten Filmen kann man das Publikum kaum noch ins Kommunalkino
locken. Aus dieser Erkenntnis heraus setzen die Organisatoren jetzt immer mehr
auf Pakete: thematische Reihen und Filmtage, die einzelnen Ländern und Kulturen
gewidmet sind. Das irische Filmfest war ein erster großer Erfolg, die kleine
Reihe mit israelischen Filmen ist gerade vor zwei Wochen gelaufen. Ab Donnerstag
folgt nun ein Programm, für das es in Bremen tausende von potientiellen
ZuschauerInnen gibt. Denn wann können unsere türkischen MitbürgerInnen schon mal
im Kino Filme aus ihrer Heimat sehen?
Über Satellit und als Video werden sie üblicherweise mit den heimischen
Massenproduktionen gut bedient. Die etwas anspruchsvolleren, auch künstlerisch
interessanten Filme der neuen Generation von türkischen RegisseurInnen aber
bekommt man außerhalb des Landes kaum zu sehen. Fünf solcher Filme haben die
Bremer Mediengruppe „Regenbogen“ und das Kommunalkino für die ersten türkischen
Filmtage in Bremen ausgewählt. Alle waren in der Türkei auch kommerziell
erfolgreich; das Publikum braucht also keine Angst vor allzu schwerer Filmkunst
zu haben.
„Amerikali“ von Serif Gören (Do. 20.30 Uhr) etwa ist eine wilde Komödie über
einen in Amerika reich gewordenen Türken, der nach Hause kommt, um an seinen
einstigen Feinden Rache zu nehmen. Dabei plündert der Regisseur gnadenlos und
zum Teil sehr komisch den Fundus des neueren Hollywoodkinos, durchsetzt mit
Szenen und Erzählsträngen, die direkt aus „Pretty Woman“, „Basic Instinct“ oder
„Kevin allein zu Haus“ abgekupfert wurden.
Für den Mit-Organisator Ahmet Güler ist es wichtig, diesen Film hier zu zeigen:
Die Träume der ArbeitsemigrantInnen vom Reichtum und von einer triumphalen
Rücckehr in die Heimat werden hier sehr pointiert kommentiert. Deshalb läuft im
Vorprogramm zu diesem Film auch Ayhan Salars in Bremen produzierter Kurzfilm „Totentraum“,
der das gleiche Thema mit ganz anderen Mitteln behandelt.
Der einzige Regisseur im Programm, der auch außerhalb der Türkei bekannt wurde,
ist Erden Kiral, dessen Film „Eine Saison in Hakkari“ in deutschen Kinos zu
sehen war. Wie dieser handelt auch sein neuer Film „Mavi Sürgün“ von einem
Intellektuellen, der in die Verbannung geschickt wird. In einer Nebenrolle
spielt in dieser europäischen Koproduktion auch Hanna Schygulla mit - bei der
Vorführung am Samstag um 20.30 Uhr wird der Regisseur (als einziger Gast, dessen
Reisekosten die OrganisatorInnen sich leisten konnten) selbst anwesend sein.
„Uzlasma“ von Oguzhan Tercan (So. 20.30 Uhr) untersucht die Hintergründe der
Ermordung des Chefredaktuers einer Tageszeitung durch den späteren Papst-Attentäter
Agca. Dieser Film basiert auf Tatsachen und ist mehr auf Aufklärung denn auf
Spannung bedacht. „Piano Piano Bavaksiz“ von Tunc Basaran beschreibt die
Erinnerungen eines neunjährigen Jungen an das arme aber idyllische Leben im
Istanbul der 40er Jahre. Dieser Film gewann auch Preise als Jugend- und
Kinderfilm.
Die Bremer VeranstalterInnen der Filmtage können noch so gut organisieren und
vorbereiten - wenn bei der Filmlieferung geschludert wird, sind sie halt die
Dummen. So sind zum Teil schlicht andere Filmkopien angekommen als bestellt, und
deshalb läuft als fünfter Film (Fr. 20.30 Uhr) nicht derangekündigte „Iki Kadin“
sondern der Film „Pehlivan“, von dem die OrganisatorInnen nur wissen, daß er von
Ringkämpfern im anatolischen Hochland handelt und Tarik Akan die Hauptrolle
spielt. HIP
Kino 46, Waller Heerstr. 46, Do. bis. So., jeweils 20.30 Uhr